Die Geschichte des Schwarzwaldes | Teil 3: Vom Floß zum Automobil

Veröffentlicht Aktualisiert Von adam medien
Geschichte des Schwarzwaldes Teil3

Der zweite Teil unserer Serie begann mit der halbwegs entspannten römischen Phase und endete mit dem völlig unentspannten Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Jetzt geht es um das Zeitalter der Industrialisierung, das wirtschaftlich gesehen für ordentlich Bewegung sorgte. Zwischendurch gab es nochmal echt düstere Abschnitte, insgesamt beruhigte sich die Lage aber Schritt für Schritt.

Ab dem 17. Jahrhundert

Floß, Glas, Kleider und Uhren

Dies war die Epoche der industriellen Ursprünge. Der große Boom von Flößerei, Glashütten und Textilmanufakturen setzte ein. Auch etliche Bäder befanden sich im Aufwind. Angeblich betrieb Lorenz Frei, ein Glashändler mit dem Spitznamen „Hackbretterlorenz“, in jenen Tagen Industriespionage und baute eine aus der Fremde mitgebrachte Uhr nach. Jedenfalls nahm die Schwarzwälder Uhrenindustrie langsam Fahrt auf, Tausende verdienten später ihre Brötchen in diesem Handwerk. 

Auswanderung trotz Standort-Vorteil

Mit einem Mal erwies sich der bislang wegen seiner Abgeschiedenheit eher ungünstige Standort als geradezu ideal, da die Uhren vorwiegend aus Holz gefertigt wurden. Das gab’s in rauhen Mengen direkt vor der Haustüre und war nur halb so teuer wie das Metall, mit dem die vornehme Konkurrenz produzierte. Die Schwarzwälder Zeitmesser wurden ein Exportschlager, einige Firmen wie Junghans oder Kienzle erlebten damals ihre Start-up-Phase. 

Doch bis zum wirtschaftlichen Erfolg war es noch ein weiter Weg, und vorerst suchten viele Menschen ihr Glück in der Ferne. Russland, Israel und Amerika waren die beliebtesten „Reiseziele“. Kein Wunder, dass der Black Forest heute auf der ganzen Welt bekannt ist.

1806: Baden und Württemberg

Unter Napoleon I. wurden das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg aus dem Boden gestampft. Wagemutige Pioniere wie der Stuttgarter Verleger Johann Friedrich Cotta (1764-1832) ergriffen vereinzelt die technologische Initiative. Cotta setzte sich sogar für die Gründung einer Dampfschifffahrtsgesellschaft ein. 1824 stach dann tatsächlich das Dampfschiff „Wilhelm“ zur Jungfernfahrt ins - meist von den Schwaben - so genannte Schwäbische Meer. In Karlsruhe wurde 1825 das Polytechnikum gegründet, die älteste Technische Hochschule Deutschlands! 1846 wurde die wirtschaftlich bedeutsame Eisenbahnstrecke Mannheim–Basel freigegeben.

1848 – 1849: Badische Revolution

Die Badenser mucken auf

Unter Führung der Rechtsanwälte Friedrich Hecker und Gustav Struve muckten die Badener auf. Sie waren so ziemlich die Ersten, die es wagten, eine demokratische Verfassung, ordentliche Gerichte und Pressefreiheit einzufordern. In den anderen Fürstentümern des deutschen Bundes favorisierte man zu dieser Zeit noch klassische "Erfolgsmodelle" wie die konstitutionelle Monarchie mit Erbkaisertum.

Den Badenern ging es weniger um Lokalpatriotismus, sondern um die Überwindung der Zersplitterung in viele kleine Fürstentümer. Das Volk sollte anstelle der einzelnen Monarchen über die Nation bestimmen. Der Ruf nach Freiheit und Demokratie war also auch eng verbunden mit der Sehnsucht nach einem einigen deutschen Nationalstaat. 

Vorbild Frankreich

Fairerweise muss man sagen, dass die revolutionäre Idee von den Franzosen abgekupfert wurde. Während die Nachbarn jenseits des Rheins schon 1848 die Republik ausriefen, setzten bei uns die preußischen Truppen dem demokratischen Treiben im Juli 1849 in Rastatt ein rabiates Ende. Die Unruhestifter, darunter auch die Protagonisten der „Kanzlei Hecker und Struve“, wurden eingekerkert oder flohen in die Schweiz und in die USA.

1864-1914: Die Industrie nimmt Fahrt auf

Anfänge des Tourismus

Abgesehen von den alten Bädern, die eine etwas längere Geschichte haben, begann die Erschließung des Schwarzwalds für den Tourismus im 19. Jahrhundert. Schon 1864 gründeten übrigens sieben Gastwirte und Industrielle im Renz'schen Felsenkeller in Freiburg den Schwarzwaldverein. Zweck: Förderung des Fremdenverkehrs, Wegebau und Naturpflege im Schwarzwald. Der erste Präsident hieß passenderweise Gustav Rehfuß.

Eisenbahn und Automobile

Die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Villingen und die Höllentalbahn von Freiburg nach Donaueschingen dampften los. Kurz nachdem die Herren Daimler und Benz ihre folgenschweren Geistesblitze hatten, rollte auch im Schwarzwald die Automobilproduktion an. In Bergmanns Industriewerken in Gaggenau wurde 1895 der erste marktfähige Benzinkraftwagen zusammengeschraubt, genannt "Orient-Express". Die Karosserie der frühen Modelle orientierte sich stark an der klassischen Kutschenform. Heute ist das Werk im Murgtal Teil der Daimler Truck AG und beschäftigt mehrere tausend Mitarbeiter.

Die Plattenteller drehen sich

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Uhrenindustrie heraus die Unterhaltungselektronik mit legendären Firmen wie SABA, Dual (Plattenspieler) oder Becker. In den 70er-Jahren ging die Produktion auf Grund fernöstlicher Konkurrenz zurück. Bis heute ist der Schwarzwald aber ein Zentrum der metallverarbeitenden Industrie und Standort vieler Hochtechnologie-Firmen.

Der Westweg

Im Jahre 1900 legte der Schwarzwaldverein den Westweg an. Er führt auf rund 285 Kilometern von Pforzheim nach Basel und ist einer der ältesten und bekanntesten Fernwanderwege Deutschlands. Die meisten anderen Wege entstanden in den 30er und 40er Jahren.

1914-1918: Erster Weltkrieg

Der Schwarzwald blieb glücklicherweise weitgehend von Unruhen verschont. Während des Krieges entstand im Nordschwarzwald die Murgtalsperre. Das Stauwehr und das dazugehörige Kraftwerk reichten bald nicht mehr aus, um die Bevölkerung und die Wirtschaft mit Strom zu versorgen. Deshalb wurde wenige Jahre später die gewaltige Schwarzenbachtalsperre, mit einer Mauer von 380 Metern Länge, 65 Metern Höhe und 4,5 Metern Dicke gebaut, um die Stromversorgung in Baden zu verbessern und den wachsenden Energiebedarf zu decken.

Ab 1918: Richtung Demokratie

Großherzog Friedrich II. von Baden und König Wilhelm II. schmissen das Handtuch. Die demokratischen Republiken Freistaat Baden und Württemberg entstanden. Ach ja und: Zwei Reichskanzler der 1919 gegründeten Weimarer Republik waren waschechte Schwarzwälder: Konstantin Fehrenbach und Joseph Wirth.

1929 bildete sich hinter einer frisch gebauten Staumauer bei Seebruck langsam aber sicher der Schluchsee. Mit bis zu 8 Kilometern Länge der größte See im Schwarzwald!

1933-1945: Zweiter Weltkrieg

Auch diesen düsteren Zeitabschnitt können wir hier nicht aussparen. Die Länder des Deutschen Reichs wurden zwar nicht formal juristisch aufgehoben, verloren aber durch die Gleichschaltung unter den Nationalsozialisten ihre Souveränität und Eigenständigkeit. Baden und Württemberg wurden Gaue. So nahm die armselige Misere ihren Lauf. Pforzheim und Freudenstadt wurden komplett zerbombt, in Freiburg überlebte nur das Münster inmitten einer zerstörten Innenstadt.

Ab 1945: Holz-Zwangsabgaben

1945 wurde der Schwarzwald französische Besatzungszone. Holz diente den Besatzungsmächten als wertvolle Export- und Kompensationswährung. Umfangreiche Zwangsabgaben, umgangssprachlich als "Franzosenhiebe" bekannt, lichteten die Waldbestände der Schwarzwald-Gemeinden. Der Holzeinschlag stieg zeitweise um bis zu 350 Prozent über das nachhaltige Maß hinaus, was wiederum zur Aufforstung mit Fichten-Monokulturen führte.

1949–1962: Die BRD

1949: Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

1952: Gründung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg.

1962: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle sprachen in Baden-Baden über eine skurrile Vision: Die Bildung einer Europäischen Union...

1971: Gebietsreform

Eine Gebietsreform sorgte für mächtigen Wirbel bei den Gemeinden und Kreisen. Viele selbständige Gemeinden gingen in Kommunen auf. Durch Zusammenschlüsse entstanden auch völlig neue Ortsnamen wie Seewald oder Ehrenkirchen.

1960-1999: Schmalz und Sturm

Heile Welt im TV

Schon in den 60er Jahren diente der Schwarzwald als Kulisse für Filme und Fernsehserien, darunter einige Schmachtfetzen mit Schmalzlocke Roy Black. In den 80er Jahren wurde dann im Glottertal die TV-Serie „Schwarzwaldklinik“ mit dem damaligen Frauenschwarm und Traum aller Schwiegermütter, Sascha Hehn, produziert. Das waren Zeiten!

Zweieinhalb Stunden Lothar

1999 braute sich über der Biskaya ein mächtiges Orkantief zusammen, das am 26. Dezember in nordöstlicher Richtung über West- und Mitteleuropa hinwegzog. Etwa zweieinhalb Stunden wütete der Orkan Lothar mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h im Schwarzwald und richtete vor allem in den Fichtenmonokulturen große Schäden an.

2000

Anfang 2000 wurde die Agentur adam medien in Offenburg gegründet 😃. 2010 sind wir ins nahe Ohlsbach umgesiedelt, wo wir bis heute unser Zuhause haben.

 

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