Die Geschichte des Schwarzwaldes | Teil 2: Von den Römern bis zum Mittelalter

Veröffentlicht Aktualisiert Von adam medien
Geschichte des Schwarzwaldes Teil2

Ab dem Jahr 0 - Römer und Alemannen

Römische Angsthasen

Um das Jahr Null hatten die Römer in der Region ganz klar das Heft in der Hand, insgesamt zwei Jahrhunderte lang. Die Cäsaren und ihre Gefolgschaft gelten ja im Allgemeinen nicht gerade als Angsthasen, den dunklen Urwald mieden sie aber wie der Teufel das Weihwasser. „Silva Nigra“, „schwarzer Wald“ tauften sie ihn respektvoll. 

Anstatt ins höher gelegene Dickicht vorzudringen, machten sie es sich lieber in den Randlagen bequem, ließen in den Thermen von Baden-Baden oder Badenweiler die Bäuche schaukeln und kamen vermutlich an einem entspannten Wellness-Wochenende auf die glorreiche Idee, an den Hängen des Rheintales Wein anzubauen. Mille grazie nochmal! 

Streitlustige Alemannen

Zwischendurch fanden die Römer sogar Zeit, den legendären Schutzwall „Limes“ aus dem Boden zu stampfen. Der berühmte Obergermanisch-Raetische Limes verlief auf rund 550 Kilometern Länge von Rheinbrohl am Rhein bis zum bayerischen Eining an der Donau. Das Mauerwerk hat zwar bis heute einen guten Ruf, wurde aber schon zu Beginn der Völkerwanderung im dritten Jahrhundert von den streitlustigen Alemannen durchbrochen. Diese Herrschaften hatten einen eher schlechten Ruf und taten auch alles, um ihn zu pflegen: Morden, plündern, römische Siedlungen zerstören, das ganze Programm! 

Doch ähnlich wie bei den Kelten, geht auch dieses schlechte Image zum Teil auf Propaganda zurück. Römische Schreiber nannten die Alemannen oft wild und gefährlich, um ihre eigenen Siege glorreicher erscheinen zu lassen. Der größte Teil der alemannischen Bevölkerung schlug sich mehr mit Ackerbau, Viehzucht und ähnlich harter Arbeit herum und nicht mit den römischen Besatzern. Die Vorstellung endete damit, dass die Römer sich dünn und die Alemannen sich breit machten.

496 bis nach 1000 - Die Franken kommen - Besiedelung des Hochschwarzwalds

Die Franken gewinnen die Oberhand

496 bekamen die selbstbewussten Alemannen von den Franken ordentlich was auf den Helm, durften aber vorerst in der Region bleiben. Danach gab es aber immer wieder militärische Techtelmechtel zwischen den verfeindeten Völkern, bis die Alemannen schließlich 746 endgültig kapitulierten und vom fränkischen Reich geschluckt wurden. 

Die Franken waren kein einheitlicher Stamm, sondern ein einflussreicher Verband westgermanischer Kleinstämme, die sich ab dem 3. Jahrhundert an Rhein und Weser formierten. Als das Römische Reich zerfiel, stiegen sie zu den neuen Herrschern in West- und Mitteleuropa auf und gaben auch Frankreich seinen Namen.

Mission Hochschwarzwald

Mit den Franken kamen das Christentum und die ersten Missionare. Diese waren es auch, die sich um die Jahrtausendwende endlich in das Niemandsland des Hochschwarzwaldes hinauf wagten, begleitet von einigen Adelsfamilien und Bauern. Man begann die Wälder zu roden, Klöster zu errichten und das Land nutzbar zu machen. 

Die Klöster gaben für die Entwicklung des geistigen Lebens wichtige Impulse, klüngelten und stritten aber auch eifrig mit dem weltlichen Adel. Den Schwarzwald teilten diese beiden Gruppen wenig bescheiden unter sich auf, während die Bauern zwangsläufig das praktizierten, was eigentlich die Aufgabe der Mönche gewesen wäre: Lernen, wie man ohne Besitz lebt. Der Ärger war also vorprogrammiert. Aber dazu später.

12. Jahrhundert - Die Zähringer

Fleißige Hippies

Zu den Stars unter den Adligen im heutigen Südwestdeutschland und in der Schweiz zählten spätestens ab dem 12. Jahrhundert die Zähringer. Als waschechte Schwaben errichteten sie ihre Macht auf einer soliden finanziellen Grundlage, dem Silberbergbau im Schwarzwald. Außerdem waren sie fleißige Häuslebauer. Etliche Dörfer und Städte wie Freiburg im Breisgau, Offenburg, Villingen und die Schweizer Landeshauptstadt Bern wurden von ihnen errichtet. 

Politisch gesehen waren sie für damalige Verhältnisse richtige Hippies! Einheitliches Recht, zentrale Verwaltung sowie große Freiheiten für die Bürger der Städte kennzeichneten ihr Revier. Den zweiten Teil der schwäbischen Lebensweisheit „Schaffe, schaffe, Häusle baue und nid nach de Mädle schaue“ nahmen sie allerdings zu wörtlich: Im Jahr 1218 starb die Hauptlinie der Herzöge von Zähringen aus.

Ab 1524 - Bauernkrieg

Den Bauern platzt der Kragen

1524 platzte dann den Bauern auf Grund von Abgaben an Adel und Kirche, Frondiensten und Ablasshandel endgültig der verschwitzte Kragen. Üble Gemetzel waren die Folge. Dem Rädelsführer Hans Müller von Bulgenbach gelang es 1525, die Stadt Freiburg einzunehmen. Ein anderer aus der Führungsebene, Konrad Jehle, plünderte mit seinen Mitarbeitern im Mai des gleichen Jahres das Kloster St. Blasien. Sein Erfolg war kurzfristig. Bald darauf wurde er gehängt, obwohl sich der Abt des Klosters für ihn eingesetzt hatte. Drei Tage später nagelten die Bauern die Hand ihres toten Führers an die Klostertür mit dem Vermerk: „Diese Hand wird sich rächen“. Sie hielten sich an diese schriftliche Vereinbarung. Ein Jahr später kehrten sie mit Sprengstoff zurück und jagten einen großen Teil des Klostergebäudes in die Luft.

Verwüstete Dörfer - leere Burgruinen

Der Aufstand im gesamten süddeutschen Raum wurde blutig niedergeschlagen, denn die Privilegierten hatten selbstverständlich kein Interesse daran, die ungerechten Verhältnisse zu ändern. Das Ende vom Lied waren verwüstete Dörfer und einige verlassene Burgruinen. Mehr war bei dem Aufstand nicht herausgekommen.

1618 bis 1648 - Dreißigjähriger Krieg

Endlos und sinnlos

Der Dreißigjährige Krieg war, um es vereinfacht zu sagen, eine endlose und vor allem sinnlose Auseinandersetzung, bei der sich katholische, protestantische und weltliche Mächte Europas ihre hohlen Köpfe einschlugen. Auch die Schwarzwald-Region blieb von diesem Drama nicht verschont. Kaiserliche, bayrische, schwedische und französische Truppen zogen in großer Zahl durch die Gegend. Der schlecht gelaunte Multikulti-Haufen war alles andere als friedlich und sorgte dafür, dass ganze Dörfer von der Landkarte verschwanden. Pest und Missernten verschlimmerten die Not zusätzlich. Mehr als 100 Jahre benötigten die betroffenen Gebiete, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen.

In Süddeutschland überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung.

Nicht gerade ein Schwarzwald-Klinik-Happy-End für den zweiten Teil unserer Serie, doch wir wollen hier nichts beschönigen. Auch diese dunklen Zeiten sind Teil der Geschichte. Im dritten Teil gibt es zwar auch noch unschöne Abschnitte, aber insgesamt geht es doch bergauf. 

 

  • Text/Content