Die Geschichte des Schwarzwaldes | Teil 1: In grauer Vorzeit

Veröffentlicht Aktualisiert Von adam medien
Geschichte des Schwarzwaldes Teil1

70 Mio. – 45 Mio. Jahre v. Chr.

Eine dramatische Geburt

Die Geschichte beginnt ganz anders, als du denkst. Am Anfang stand nämlich nicht etwa eine majestätische Aufwärtsbewegung. Auslöser für die Entstehung unserer berühmten Berge war ein heftiger Grabenbruch, und zwar runterwärts! Vor 70 Millionen Jahren brach der komplette Oberrheingraben ein. Als Folge dieses geologischen Debakels türmten sich an seinen Rändern die Gesteinsmassen auf. Allmählich hoben sich der Schwarzwald und die Vogesen aus dem Staub empor. 

Die Berge entstanden durch eine Ausgleichsbewegung. Und diese dauert bis dato an, Millimeter für Millimeter, jedes Jahr.

Allerdings: Diese Bewegung war nicht gleichmäßig. Deshalb sind die höchsten Gipfel heute so ungerecht verteilt. Im Westen schwang sich das Gebirge nämlich viel weiter hinauf als im Osten. Und im Süden, beim Feldberg, wiederum höher als im Norden.

Graues und rotes Gestein

Im zentralen Schwarzwald wurde das älteste, härteste und tiefste Gestein nach oben ans Tageslicht geschoben, der Granit. In einem überwiegend warmen, trockenen und wüstenartigen Klima hat zudem eine saure Schicht ihre rötlichen Spuren hinterlassen, der Buntsandstein. Seine Existenz spiegelt sich bis heute in der Architektur der Region wider. Im Nordschwarzwald erreichte die Schicht des Buntsandsteins eine Dicke von mehreren Hundert Metern, im Südschwarzwald fehlt sie oft gänzlich oder ist deutlich dünner.

Eine subtropische Insel entsteht

Innerhalb des Rheingrabens gibt es einen kritischen Punkt, an dem die riesige Rinne von einem Ost-West-Bruch gekreuzt wird. Dort stand die Erdkruste in jenen bewegten Zeiten derart unter Spannung, dass sie einen ordentlichen Schwall Lava ausspuckte, um sich etwas Erleichterung zu verschaffen. Diese Eruption war die Geburtsstunde des Kaiserstuhls, einer „subtropischen Insel“ inmitten des flachen Landes.

Ca. 2 Mio. – 12.000 Jahre v. Chr. – Eiszeitalter

Gletscher im Schwarzwald?

Ja, kaum zu glauben, aber wir hatten hier schon mal Gletscher! Vor rund zwei Millionen Jahren sackten die Temperaturen auf der Erde rapide ab. Es begann eine krasse Schlechtwetter-Periode: Das jüngste Eiszeitalter brach an. Und in seinem Verlauf bildeten sich auf den Höhen des Schwarzwaldes Gletscher. Über das gesamte Feldbergmassiv stülpte sich zwischenzeitlich eine riesige Eiskappe.

Durch die wissenschaftliche Brille

Die Kaltphasen wurden immer wieder durch Warmphasen unterbrochen. Laut offizieller Definition der Geologie-Profis zählt nämlich jeder Tag zum so genannten Eiszeitalter, an dem mindestens eine Polarregion dauerhaft mit Eisschilden bedeckt ist. Und das ist schon seit etwa 2 Millionen Jahren der Fall. Demnach befinden auch wir uns aktuell mittendrin und bleiben es auch noch einige tausend Jährchen. Allerdings eben mit wechselnden Phasen unterschiedlicher Temperatur. Streng genommen bezeichnet man nur die extrem kalten Abschnitte innerhalb dieser großen Einheit als „Eiszeit“. 

Momentan leben wir also innerhalb des Eiszeitalters in einer Warmphase. Alles klar?

Endloser Dauerregen

Den letzten großen Temperatur-Umbruch gab es vor etwa 12.000 Jahren, als das Thermometer nach langer, langer Zeit allmählich wieder anstieg. Es war zwar nicht mehr ganz so beißend kalt, doch das Wetter war nach wie vor hundsmiserabel.

Dauerregen sorgte dafür, dass die Gletscher immer fetter wurden, bis sie schließlich hinab in die Täler rutschten. Dabei gruben sie Mulden in die Hänge: Die Kare, kesselförmige Eintiefungen mit flachem Boden und steilen Rückwänden (vom althochdeutschen „char“ = Trog, Krug). Die Route der Eismassen lässt sich bis heute an der Form vieler Schwarzwaldtäler ablesen. Man könnte sogar sagen, das Landschaftsbild wie wir es kennen, geht zu einem großen Teil auf das Konto dieser gigantischen Rutschpartie.

Seen und Wasserfälle entstehen

Auch der Titisee und der Mummelsee haben ihre Existenz der zähen Arbeit der Gletscher zu verdanken. Von diesen sogenannten Karseen gibt es einige. Sie entstanden, indem das von den Gletschern herabgewälzte Geröll am unteren Rand der Kare einen Wall bildete. Hinter dem staute sich das tauende Gletscherwasser. In diesem Zeitabschnitt beginnt auch das endlose Rauschen der Triberger und der Geroldsauer Wasserfälle.

10.000 Jahre v. Chr.

Wald ohne Bäume

Am Ende der letzten Kaltphase, vor ca. 10.000 Jahren, war der Schwarzwald von einer Steppen- und Tundren-Vegetation bedeckt. Deshalb kann man zu diesem Zeitpunkt gar nicht von „Wald“ sprechen. Bäume waren nämlich weit und breit nicht zu sehen! Erst als sich das Klima änderte, änderte sich auch die Vegetation. Es kam zu einer regelrechten Einwanderungsbewegung, in deren Verlauf sich nach und nach verschiedene Waldpflanzen ansiedelten. Zunächst dominierten Laubbäume das Geschehen: Eschen, Eichen, Linden, Ulmen und Ahorn.

Ca. 5000 Jahre v. Chr.

Die klassische Schwarzwald-Optik

Erst jetzt machen sich Tannen und Buchen breit. Das ist, optisch gesehen, die Geburtsstunde des schwarzen Waldes, wie wir ihn kennen. Na ja, nicht ganz. Denn viel später, Mitte des 19. Jahrhunderts, war der ursprüngliche Laub- und Mischwald nach jahrhundertelanger Übernutzung, Holzkohleproduktion und Flößerei vielerorts fast vollständig abgeholzt. Bei der anschließenden Wiederaufforstung wurde er durch schnell wachsende Fichtenmonokulturen ersetzt. 

Doch zurück in die Vergangenheit vor 5000 Jahren. Menschen leben noch nicht in diesem gottverlassenen Urwaldgebiet. Lediglich am Rande der Berge, in der Freiburger Bucht oder am Hochrhein findet man vereinzelte Siedlungsspuren. Flussnamen wie Glotter, Kinzig und Breg sind möglicherweise indogermanischen (vorkeltischen) Ursprungs.

Ab 800 v. Chr.

Die Kelten

Die Kelten kommen und lassen sich in den Randgebieten des Schwarzwaldes nieder. Sie scheinen ein gesprächiges Völkchen gewesen zu sein, denn sie nennen viele Dinge erstmals beim Namen: Belchen, Brigach, Breg, ...

Bier & Propaganda

In Sachen Landwirtschaft waren die Kelten richtige Leuchten. Kein Wunder, dass sie schon damals intensiv mit Heilkräutern und mit einem Getränk aus Getreide und Honig experimentierten, das als Vorläufer unseres heutigen Bieres gilt. Es nannte sich „Met“ und war bei den Einwohnern Mitteleuropas sehr beliebt. 

Das Bild wilder, hemmungslos trinkender Barbaren ist allerdings eine Übertreibung der Römer, die nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch auf dem Feld der Propaganda unschlagbar waren. Schließlich brauten bereits die alten Ägypter ein Alraunenbier und in anderen orientalischen Ländern setzte man dem Bier Haschisch zu und verfeinerte es mit Opium. Da war der Lieblings-Drink unserer Vorfahren also noch vergleichsweise harmlos.

58 Jahre v. Chr.

Julius Cäsar persönlich

Die keltische Idylle währt nicht lange. Der Imperator persönlich, Julius Cäsar, zwingt die einheimischen „Wilden“ in die Knie. Das ganze Gebiet steht ab sofort unter römischer Herrschaft. Das hat Folgen, vor allem kultureller Art. Dazu mehr im zweiten Teil.

 

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